Kognitive Neurophysiologie - Andreas Lüschow

Die AG Lüschow nutzt elektrophysiologische Methoden in Kombination mit verhaltensexperimentellen und neuropsychologischen Ansätzen. Im Fokus stehen dabei die Bereiche Objekterkennung und Prosopagnosie sowie Demenzen und Gedächtnis.

Sie befinden sich hier:

Objekterkennung und Prosopagnosie

Die Erkennung visueller Objekte ist eine Fähigkeit des menschlichen Gehirns, die für jeden von uns mühelos abläuft. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind bislang jedoch nur unzureichend verstanden. Dafür liefern die Probleme bei der Entwicklung von künstlichen Systemen, die visuelle Funktionen realisieren sollen (z.B. Systeme zur Überwachung und Personenerkennung) ein anschauliches Beispiel.

Unsere Arbeitsgruppe untersucht im visuellen System des Menschen unterschiedliche Mechanismen, die bei der Objekterkennung eine Rolle spielen. Dazu gehört die Selektion verhaltensrelevanter Information (Aufmerksamkeit), die Speicherung bzw. der Abruf dieser Information (Gedächtnis), deren Interaktion und schließlich die Erkennung selber.

Unser besonderes Interesse gilt der Gesichtererkennung, als einem Paradebeispiel für die Perfektion der beschriebenen visuellen Mechanismen. In verschiedenen Projekten untersuchen  wir die Gesichtererkennung bei unauffälligen Probanden. Ein aktuelles Projekt beschäftigt sich mit Personen, bei denen wahrscheinlich von Geburt an eine selektive Gesichtsblindheit (Kongenitale Prosopagnosie) besteht. Hier besteht eine enge Kooperation mit Dr. Martina und Dr. Thomas Grüter, Münster (www.prosopagnosie.de) und mit Prof. Dr. Claus-Christian Carbon, Universität Bamberg (www.experimental-psychology.com). Neben der Teilnahme an wissenschaftlichen Studien bieten wir Betroffenen eine umfassende neurologische Untersuchung, sowie speziell in unserer und den kooperierenden Arbeitsgruppen entwickelte neuropsychologische Verfahren an, um das Vorliegen einer Kongenitalen Prosopagnosie abzuklären. Diese Untersuchungen können sowohl in unserer Spezialambulanz als auch in der Neurologie im Ambulanten Gesundheitszentrum am Campus Benjamin Franklin  durchgeführt werden.

Demenzen und Gedächtnis

Störungen des Gedächtnisses sind Kernsymptome bei Patienten mit Demenzen (Bsp. Morbus Alzheimer), die wir klinisch und wissenschaftlich in unserer Spezialambulanz betreuen. Dabei werden die Patienten einerseits in klinische Therapiestudien eingebunden, andererseits soll die Analyse kognitiver Störungen und Veränderungen in krankheitsassoziierten Biomarkern Aufschluss über zugrundeliegende Mechanismen geben und zu verbesserter Diagnostik beitragen. Ein besonderer Fokus liegt hier auf der familiären Variante der Alzheimer Demenz.

Ein weiteres Spezialgebiet unserer Arbeitsgruppe widmet sich der Entwicklung neuropsychologischer Testverfahren zur Erfassung kognitiver Defizite bei Patienten mit Türkischem und Russischem Migrationshintergrund.

Methoden

Wir benutzen in erster Linie elektrophysiologische Methoden (Elektro- (EEG) und Magnetoenzephalographie (MEG)) in Kombination mit verhaltensexperimentellen und neuropsychologischen Ansätzen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

  • Dr. Ulrike Beinhoff, Dipl.-Psych.
  • Beate Benjamin, Dipl.-Psych.
  • Elena Krasivskaya, Dipl.-Psych. (Doktorandin)
  • Katharina von Laer (Doktorandin)
  • Julia Seyfarth (Dipl. Biol., Doktorandin)
  • Kaspar Josche Streitberger (Wiss. Mitarbeiter)
  • Hannes Tiedt (Wiss. Mitarbeiter der Klinik für Neurologie)
  • Dr. Joachim Weber (Wiss. Mitarbeiter der Klinik für Neurologie)

Kooperationen

Hervorzuheben sind langjährige Kooperationen mit der Physikalisch Technischen Bundesanstalt, Berlin (www.ptb.de), die uns die simultane EEG/MEG Messung ermöglicht sowie mit der Abteilung für Allgemeine Psychologie der Universität Bamberg. Innerhalb der Charité besteht ein enger Kontakt mit der Arbeitsgruppe Neurophysik am CBF. Zukünftige Projekte sind geplant in der Focus Area (Diseases in Human Aging) in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Michael Niedeggen, Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie, Freie Universität Berlin. Im Bereich der Entwicklung kulturübergreifender Testverfahren besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Danish Dementia Research Center, University Hospital, Copenhagen sowie mit Prof. Dr. Matthias W. Riepe, Universitätsklinikum Ulm.