Metanavigation:

Hier finden Sie den Zugang zur Notfallseite, Kontaktinformationen, Barrierefreiheits-Einstellungen, die Sprachwahl und die Suchfunktion.

Navigation öffnen
Eine Mann füllt mit einer Pipette eine rote Flüssigkeit in ein kleines Glas

Neurologie & Onkologie - Matthias Endres

Sie befinden sich hier:

Neurologie und Onkologie

Neurologische Folgeerkrankungen zählen zu den häufigsten unerwünschten Arzneimittel-Nebenwirkungen vieler Tumortherapien. Sie können das periphere Nervensystem betreffen (Chemotherapie-induzierte Neuropathie, CIN) oder zu diffusen Veränderungen der kognitiven Funktionen (Chemotherapie-induzierte Gedächtnisstörungen, PCCI) führen. Zudem rücken immunvermittelte Arzneimittel-Nebenwirkungen (irAE) durch den gehäuften Einsatz von Tumorimmuntherapien zunehmend in den klinischen und wissenschaftlichen Fokus. Alle dieser Erkrankungen sind bislang pathophysiologisch wenig verstanden und es existieren oft keine oder unzureichende Behandlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig schränken sie die Lebensqualität der Betroffenen massiv ein und führen häufig zu Dosislimitationen oder vorzeitigem Abbruch der Tumortherapie.

Unsere Forschungsschwerpunkte

1. Zelltodmechanismen und Prävention

Die Pathomechanismen, die zur Schädigung von Nervenzellen durch Chemotherapie beitragen, sind vielfältig. Für viele Substanzen zeigt sich jedoch, dass die zum Zelltod führenden Mechanismen sich vom primär zytostatischen Mechanismus unterscheiden, was vor dem Hintergrund des klar definierten Schädigungszeitpunkts die Möglichkeit der Neuroprotektion ohne Einschränkung des zytostatischen Effekts eröffnet. In bisherigen Arbeiten konnten wir zeigen, dass eine Veränderung der intrazellulären Calciumhomöostase den programmierten Zelltod in Spinalganglienzellen und neuronalen Vorläuferzellen nach Chemotherapie einleitet. In Zellkultur- und Tierexperimenten arbeiten wir an der Identifikation von molekularen Zielstrukturen, die einer medikamentösen präventiven Therapie zugänglich sind.
 

2. Patienten-spezifische Krankheitsmodelle zur individuellen Prädiktion von Nervenschäden

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist eine präzise Vorhersage, welche Patientinnen und Patienten neurologische Folgeerkrankungen durch die Tumortherapie erleiden werden und in welchem Ausmaß nicht möglich. Mithilfe von induzierten pluripotenten Stammzellen (iPSC) Betroffener entwickeln wir individuelle Patienten-spezifische humane Krankheitsmodelle der CIN und PCCI um neue prädiktive Marker des Nervenschadens erforschen zu können.

3. Interaktion von Nerven- und Immunsystem

In jüngerer Vergangenheit konnte wiederholt gezeigt werden, dass neben klassischen Zelltodmechanismen die Induktion einer sekundären Neuro-Immun-Interaktion zur weiteren Schädigung der Nervenzellen nach Chemotherapie beiträgt. Auch im Rahmen von immunvermittelten unerwünschten Arzneimittel-Nebenwirkungen (irAE) nach Tumorimmuntherapie greifen Immunzellen verschiedene Strukturen des Nervensystems an und können so zu Schäden des Gehirns, der peripheren Nerven und der Muskeln führen. Wir untersuchen daher die Rolle von verschiedenen Immunzellen auf die Schädigung von Nerven- und Muskelzellen sowohl bei Chemo- und Immuntherapie.

4. Klinische Studien

  • Chemotherapie-induzierte kognitive Veränderungen in Patientinnen mit Brust- und Eierstockkrebs (CICARO, NCT02753036): Diese Beobachtungsstudie beinhaltet die prospektive longitudinale systematische Untersuchung von Brust- und Eierstockkrebspatientinnen hinsichtlich Gedächtnisfunktionen, Polyneuropathie (CIN), Lebensqualität und immunologischen Veränderungen vor und nach Chemotherapiebehandlung mit Paclitaxel.
  • Tumorimmuntherapie assoziierte neurologische Nebenwirkungen (TITAN2, DRKS00012668): In dieser prospektiven Studie sollen Patienten, die aufgrund einer Tumorerkrankung mit Immuncheckpoint-Inhibitoren behandelt werden, hinsichtlich neurologischer Nebenwirkungen untersucht werden. Ziel ist eine frühzeitige Erkennung von diesen oft schweren Nebenwirkungen und die Entwicklung prädiktiver Biomarker.
  • Register für Tumorimmuntherapie assoziierte neurologische Nebenwirkungen (TITAN-Reg): Neurologische immunvermittelte Nebenwirkungen (irAE) von Immuntherapien kommen zwar selten vor (ca. 3-5% der Fälle), sind dafür meist umso schwerwiegender und bedürfen einer sofortigen Diagnose und Therapie. Zum besseren Verständnis der Häufigkeit neurologischer irAE sowie der auslösenden Faktoren werden die Daten Betroffener in einem Register erfasst. Über eine Kooperation mit dem Paul-Ehrlich-Institut (SERIO Register, http://serio-registry.org/) werden darüber hinaus die Daten von Patientinnen und Patienten mit irAE nach Tumorimmuntherapien deutschlandweit gesammelt und eine dringend notwendige bessere Vernetzung verschiedener Fachdisziplinen in der Behandlung Betroffener hergestellt.

5. Spezialisierte Versorgungsstrukturen

Die regelmäßige und intensivierte Tumornachsorge endet nach einem festgelegten Intervall. Untersuchungen von Patientinnen und Patienen viele Jahre nach einer Tumorerkrankung und Tumortherapie zeigen jedoch, dass viele dieser Langzeitüberlebenden weiterhin unter bleibenden Folgeerkrankungen der Tumortherapie leiden. Im Rahmen eines neuartigen Versorgungsforschungsprojekts – der Charité Survivorship Clinic – sollen die Auswirkungen solcher Folgeerkrankungen auf die Lebensqualität der Betroffenen untersucht werden. Gleichzeitig wird evaluiert, ob sich die Versorgung der Langzeitüberlebenden im Rahmen einer interdisziplinären Spezialsprechstunde verbessern lässt. Nähere Informationen zu dem Projekt und den beteiligten Partnern finden Sie unter https://survivorship-clinic.de/ (Seite zurzeit noch in Arbeit).

Leitung

  • Prof. Dr. med. Matthias Endres +49 30 450 560 102
  • PD Dr. med. Wolfgang Böhmerle
  • PD Dr. med. Petra Hühnchen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

  • Dr. med. Christian Schinke
  • Dr. med. Samuel Knauß
  • Dr. med. Leonie Müller-Jensen
  • Petra Loge - Medizinisch-technische Assistentin (MTA)