Kopfschmerz - Reuter
Kopfschmerz - Reuter

Kopfschmerzzentrum

  • Diagnostische Zuordnung von Kopfschmerzen & Gesichtsschmerzen
  • Differentialdiagnostik zur Unterscheidung von Kopfschmerzen zu Migräne und Cluster Kopfschmerz
  • Optimierung der Akutbehandlung und vorbeugenden Therapie unter Berücksichtigung von Nebenwirkungen
  • Behandlung von chronischer Migräne mit Botulinumtoxin
  • Intensivierte ambulante Behandlung in einem Tagesprogramm (Dauer: 5 Tage) bei chronischen Kopfschmerzen, chronischer Migräne und Medikamentenübergebrauch (IV Kopfschmerz Spezial)

Sie befinden sich hier:

Kopfschmerzzentrum der Charité

Sprechstunde Montag - Freitag nach Terminvereinbarung unter folgender Telefonnummer oder E-Mail-Adresse: 

t: +49 30 450 660 168

Zum Kopfschmerz-Team gehören:

Ärztinnen und Ärzte: Dr. Heike Israel-Willner, Dr. Lars Neeb, Dr. Bianca Raffaelli, Prof. Dr. Uwe Reuter

Psychologinnen: Irina Hubalek, Dr. rer. nat. Ute Kopp

Kopfschmerz-Nurses/Study Nurses: Franka Berger, Nadine Schulz-Kruckow, Andrea Trittel

Es kann selten vorkommen, dass Sie trotz eines Termins etwas warten müssen bis Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Zeit für Sie findet. Bitte bedenken Sie, dass Notfälle und schwierige Fragestellungen bei Ihnen und anderen Patientinnen und Patienten auftreten können und dieses zu einem Verzug im Sprechstundenablauf führen kann. Unser Ziel ist es, die besten Antworten für Ihre Fragen und Beschwerden zu finden. Daher dauert ein Erstkontakt in unserer Sprechstunde 30 - 45 Minuten. Sofern Sie Ihren Termin nicht wahrnehmen können, teilen Sie uns Ihre Absage bitte mit. Eine andere Patientin oder ein anderer Patient oder Sie selbst können hiervon einmal profitieren.


Wiederkehrende Kopfschmerzen sind Symptom vieler neurologischer Erkrankungen. Am häufigsten sind Spannungskopfschmerz und Migräne zu nennen. Sehr viel seltener sind akute oder sich chronisch verstärkende Kopfschmerzen bei gefährlichen Krankheiten. Weniger als 3 % aller Erwachsenen haben niemals im Leben Kopfschmerzen; umgekehrt besteht bei 97 % jedoch keine Kopfschmerzerkrankung. Hiervon spricht man erst, wenn Kopfweh wiederholt auftritt. So kann ein wenige Male im Jahr auftretender leichter Kopfschmerz ohne weitere Symptome gut vom Hausarzt behandelt werden; dagegen sollten rezidivierende und chronische Kopfschmerzen sowie solche mit Begleitsymptomen wie z. B. Übelkeit/Erbrechen, Augentränen, Naselaufen, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit sowie nächtliche oder immer halbseitige Kopfschmerzen bei Neurologinnen und Neurologen vorgestellt werden. Auch neue Kopfschmerzen mit anderen zusätzlichen Symptomen wie z. B Doppelbilder sollten zur zeitnahen Vorstellung beim Arzt führen.

Migräne

Die Migräne ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der es zu einer spontanen Aktivierung von Nervenzellen kommt, die von der Patientin oder vom Patienten als Schmerzen mit mittlerer bis schwerer Stärke - vornehmlich halbseitig auf der Stirn, der Schläfe bis zum Hinterkopf und Nacken - wahrgenommen werden. Typisch sind pulsierende, klopfende hämmernde seitenbetone Schmerzen des Kopfes, die durch körperliche Bewegung verstärkt werden und ohne Behandlung 4 - 72 Stunden anhalten. Dazu bestehen Zusatzsymptome wie eine Überempfindlichkeit gegenüber Licht und/oder Geräuschen, seltener eine abnormale Geruchsempfindlichkeit sowie Übelkeit bis zu Erbrechen. Dem Kopfschmerz gehen bei einigen Patientinnen oder Patienten bereits an Tagen zuvor Symptome wie Heißhunger, depressive Verstimmung, gesteigerter Antrieb voran. Diese sind zu unterscheiden von der typischen Migräne Aura unmittelbar vor oder seltener während der Kopfschmerzen. Hierbei handelt es sich um einseitige wandernde Lichtblitze oder sich bewegende farbige Bilder vor den Augen bis hin zu Sprachstörungen, Taubheit des Gesichtes bzw. des gleichseitigen Arms oder Beins, die zwischen 5 - 60 Minuten andauern.

Wir unterscheiden aufgrund der Häufigkeit von Attacken/Anfällen zwischen episodischer und chronischer Migräne. Letztere besteht dann wenn an 15 oder mehr Tagen Kopfschmerzen bestehen und davon mindestens 8 Tage einer Migräne entsprechen. Da die chronische Migräne häufiger mit einer Angsterkrankung oder Depressionen einher geht, ist es wichtig, diese Diagnosen zu stellen und eine Behandlung einzuleiten.

Chronische Migräne

Für Patientinnen und Patienten mit chronischer Migräne und anderen chronischen Kopfschmerzen (z. B. chronischer Spannungskopfschmerzen) bieten wir ein intensives ambulantes Behandlungsprogramm an (IV Kopfschmerz Spezial). Hierbei werden die Patientinnen und Patienten von Neurologinnen und Neurologen gemeinsam mit Psychologinnen und Psychologen, Krankengymnastinnen und Krankengymnasten und in Kopfschmerz geschultem Pflegepersonal behandelt. Diese als multimodal und multiprofessionell bezeichnete Behandlungsform wird nur an wenigen Einrichtungen mit Schwerpunkt Kopfschmerzen in Deutschland angeboten. Im Rahmen dieser besonderen Behandlung lernen Sie Ursachen der Kopfschmerzen zu erkennen und soweit möglich zu vermeiden. Sie lernen besser mit ihren Medikamenten zur Behandlung der Migräne umzugehen und werden vertraut mit nicht medikamentösen vorbeugenden Behandlungsmöglichkeiten (z. B. Entspannungsverfahren). Psychologinnen und Psychologen betreuen sie im Rahmen dieses Programms sowohl in der Einzel- als auch Gruppentherapie. Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten beurteilen ihren Bewegungsapparat - im Besonderen die Hals- und Nackenbeweglichkeit - und zeigen Ihnen auf, wie Ausdauersport zur Vorbeugung der Kopfschmerzen erlernt werden kann.

Nachdem die Patientinnen oder Patienten dieses Programm durchlaufen haben werden sie zum niedergelassenen Kollegen und Kooperationspartner weitergeleitet, der sie leitliniengerecht und in Absprache mit dem Kopfschmerzzentrum der Charité weiterbehandelt.

Spannungskopfschmerzen

Diese werden von vielen Menschen als "normale" Kopfschmerzen bezeichnet. Spannungskopfschmerzen werden dann zum gesundheitlichen Problem, wenn sie chronisch sind, d. h. an mehr als 15 Tagen über mindestens 3 Monate auftreten. Ein Spannungskopfschmerz ist von leichter bis moderater Intensität, meist wie ein Ring um den Kopf, als Druck auf der Schädeldecke oder anhaltender Hinterkopfschmerz beschrieben. Gewöhnlich tritt er ohne Begleitsymptome auf, wenngleich z. B. eine leichte Geräuschempfindlichkeit möglich ist. Ein seltener episodischer Spannungskopfschmerz wird von so gut wie der überwiegenden Mehrzahl von Erwachsenen gekannt und bedarf keiner ärztlichen Vorstellung und Therapie. Sobald eine Häufung auftritt oder der Schmerz chronisch wird, sollte eine Vorstellung erfolgen. Oftmals treten Muskelverspannungen im Hals- und Kopfbereich parallel auf; eine depressive Verstimmung kann auch eine dauerhafte Begleiterkrankung sein.

Die Herkunft von chronischen Spannungskopfschmerzen ist weitgehend unbekannt und die Therapie kann langwierig und schwierig sein. Grundsätzlich werden medikamentöse und nicht medikamentöse Verfahren zur Behandlung eingesetzt.

Cluster Kopfschmerz

Wir behandeln eine große Anzahl von Patientinnen und Patienten mit dieser seltenen Kopfschmerzerkrankung. Cluster Kopfschmerz (ca. 100 000 Patientinnen oder Patienten in Deutschland) besteht aus strikt halbseitigen Schmerzen um bzw. hinter einem Auge, der Stirn, der Schläfe bis in den Oberkiefer von stechendem, bohrendem bis ziehenden Charakter. Die Stärke ist schwer bis unerträglich und es muss ein Symptom wie zum Schmerz gleichseitiges halbseitige Gesichtsschwitzen, Gesichtsrötung, Augentränen oder laufende/verstopfte Nase bis zum Völlegefühl des Ohres auftreten. Die Schmerzattacken treten häufig nachts zur gleichen Zeit auf und dauern von 15 - 180 Minuten an. Bewegungsunruhe ist typisch für die Schmerzattacken und diese sind tageszeitlich und jahreszeitlich "geclustert", d. h. treten zur selben Tages-/Jahreszeit auf. Es gibt eine chronische (komplette Schmerzfreiheit weniger als 1 Monat pro Jahr) und eine episodische Form des Cluster Kopfschmerzes. Als Ursache für den Cluster Kopfschmerz wird eine Störung im Hypothalamus vermutet, die sich in bildgebende Untersuchungen in größeren Kohorten (Gruppen) zeigte.


Wissenschaft und Engagement

Wir führen unter der Leitung von Herrn Dr. Lars Neeb eigene wissenschaftliche Studien zur Ursachenerforschung von Kopfschmerzen durch. Hierbei stehen bildgebende Untersuchungen (Magnetresonanztomographie) im Vordergrund. In den letzten Jahren haben wir Veränderungen im Gehirn bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Migräne, episodischer Migräne und Patientinnen und Patienten mit Medikamenten-Übergebrauch untersucht und die Ergebnisse in wissenschaftlichen Journalen veröffentlicht.

Zudem hat unser Team in Kooperation mit der Schlaganfall-Forschungsgruppe der Neurologischen Klinik Untersuchungen über die Veränderungen der Elastizität von Arterien bei Migräne mit und ohne Aura durchgeführt. Für diese Arbeit wurde Herr Dr. Thomas Liman von der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft 2017 mit einem Wissenschaftspreis bedacht.

Frau Dr. Heike Israel-Willner beschäftigt sich mit Cluster- Kopfschmerzen und ist Expertin für die Stimulationsverfahren des Ganglions Sphenopalatinum zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen. Sie leitet die Studien hierfür an der Charité. Sie verantwortet ebenso die Durchführung und wissenschaftliche Evaluierung des "Kopfschmerz SPEZIAL"-Programms.

Frau Dr. Bianca Raffaelli beschäftigt sich wissenschaftlich mit Kopfschmerzen und Schwangerschaft.

Das gesamte Team nimmt an wissenschaftlichen Studien in der Entwicklung neuer Substanzklassen zur Behandlung von Migräne, chronischer Migräne und Cluster-Kopfschmerzen teil.

Im Rahmen dessen hat Herr Professor Uwe Reuter am internationalen Studienprogramm zur Entwicklung von monoklonalen Antikörpern am CGRP-Rezeptor (Calcitonin-Gene-Related-Peptid-Rezeptor) zur vorbeugenden Behandlung der Migräne beigetragen und zahlreiche Veröffentlichungen hierzu.

Herr Dr. Lars Neeb ist Vorstandsmitglied der Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. Herr Prof. Dr. Uwe Reuter ist Mitglied des Vorstandes der European Headache Federation.

Alle Mitglieder des Kopfschmerz-Teams führen Fortbildungsveranstaltungen für Ärztinnen und Ärzte zum Thema Kopfschmerz durch und nehmen aktiv an internationalen Kongressen teil.

Wenn Sie interessiert sind an Forschungsprojekten und Studien teilzunehmen, sprechen Sie bitte Ihre behandelnde Ärztin oder Ihren behandelnden Arzt des Kopfschmerzteams an.